Stimmen Im Wind

Die Schlagerfreunde unter uns werden jetzt direkt an Juliane Werding denken müssen: “Stimmen im Wind, die so zärtlich und so liebevoll sind…sei nicht traurig, Susann – es fängt alles erst an…”
Yes.
Juliane Werding ist immer eine spirituelle Person gewesen, sie nimmt eine Sonderstellung unter den deutschen Schlagertussis ein – denn SIE ist keine Schlagertussi. Sie ist eine Heilerin. Und sie ist in vorbildlicher Weise konsequent gewesen, als sie nämlich ihre Berufung zur Heilerin erkannte, hängte sie das Singen für Geld an den Nagel. Sie ist jetzt Heilpraktikerin. This is a suitable way for mental health!! So erhält man sich seine psychische Gesundheit! Follow your personal call…

Dieser Text ist die Weiterführung des letzten Beitrages, denn das Thema “Depressionen & psychische Störungen” ist gerade einmal angerissen worden. Ein Anriß erzeugt aber viele Risse, und am Ende zerreißt wohl sogar manche Kette, die unzerreißbar schien. *yee-haaa!*

Wie immer bei einem spektakulären Suizid wurde eine mediale Welle ausgelöst, deren Ausläufer nun überall an die Ufer des Internets schwappen – so auch an diesen Strand hier. Was angespült wurde, sammle ich in ein Körbchen (damit der Strand sauber bleibt!) und stelle es den LeserInnen zur Diskussion.

Motti:

Mindestens die Hälfte meiner Bekannten hatte schon mal die Diagnose: psychisch krank. Wer nicht depressiv ist, muss blind sein, wer kein Burn-out hat, hat nie für etwas gebrannt.

Bis zum Abitur wurden zwei Mädchen meiner Stufe magersüchtig. Bei Abendessen werden Therapieansätze und Tavor genauso selbstverständlich besprochen wie Töpferkurse. Eher selbstverständlicher, wir töpfern schließlich nicht. Wir sind ja nicht verrückt, sondern jung, schön und erfolgreich. Und eben, wenn das mal nicht läuft, krank.

Zitat des Tages:

Wenn man weiß, wer ‘Der Böse’ ist, hat der Tag Struktur.

(V. Pispers)

Let us start here.
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Betreff: Was wäre im Falle eines Falles eine gute, sozial verträgliche Methode des Frühablebens….??

Auch ich habe Selbstmörder zum Grab begleitet. Zum Glück hat keiner meiner Freunde sich eines Lokomotivführers “bedient”.
Es gibt viel zu sagen, gegen selbstbestimmten und dann doch teilweise fremdbestimmten Tod. Doch wer gehen will, der gehe bitte still und achtsam.
Tip ohne Zynismus: ich empfehle Hypothermie [Unterkühlung] in der Nordsee oder im Bayerischen Wald im Januar. Keine Wiederbelebung, keine Schäden bei Überleben, wenig Schmerzen; die Natur räumt hinter Ihnen auf. Bitte mit eindeutigem Abschiedsbrief um den Hinterbliebenen endlose Hoffnung und Sorge zu sparen.

Man kann sich auch in einer passiven Form aus dem Leben verabschieden, indem man eine offensichtlich dringend erforderliche Krebsbehandlung inklusive OP ständig aufschiebt, bis man den allerletzten sinnvollen Zeitpunkt verpaßt hat. Was dann passiert, ist ein Selbstmord auf raten, den man nicht einmal “begehen” muß. Man läßt ihn “geschehen”. Krebs ist hierbei ein stiller, freundlicher, konsequenter und grausam tödlicher Helfer. Man läßt ihn gewähren – und hat sein Ziel erreicht. Die Schmerzen sind mit Morphin einigermaßen zu kontrollieren.

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Betreff: Selbstbeschreibungen der Insassen des Kukucksnests [“One Flew Over The Cuckoos Nest”]

“Fehlen eines klaren Ich-Identitätsgefühls, chronische Gefühle von Leere und Langeweile.” Sie [die Kranke] nervt mich, die Sonne blendet mich, es ist ein schöner Tag: “Du hast heftige Stimmungsschwankungen vergessen, Darling.”

Was sichtbar ist kann überprüft werden. Was messbar ist kann diagnostiziert werden. T. kann fragen, ob ich heute schon etwas gegessen habe. J. kann mich kritisch ansehen und fragen: “Aber eine Essstörung hast du doch nicht, oder?”. S. kann sich auslassen, wie verfressen ich heute bin. All’ das stimmt in gewisser Weise. Aber es ist trotzdem nicht die Wahrheit. Welche Ironie. Man verstrickt sich in Oberflächlichkeiten, während die innere Wahrheit verborgen bleibt.

Schlußwort für diesen Artikel:

Jemanden mit einer wirklichen Depression (nicht: gefühlten, behaupteten, whatever) als Dramaqueen abzufrühstücken ist ziemlich schwach. Da stimmt es eben nicht, alle in einen Sack zu stecken und es trifft immer den Richtigen. Die einen brauchen noch viel mehr in die Fresse, die anderen brauchen tatsächlich Hilfe. Vielleicht Medikamente. Sicher weniger Vorurteile und auch weniger Energie-Räuber, die unter der Flagge ‘depressiv’ oder ‘burn out’ bei allen anderen die Resource ‘Mitgefühl’ bis über die Schmerzgrenze hinaus ausbeuten.

Die alle zusammenzupacken ist falsch.

(“Denn es ist wie stets und überall auch hier angebracht, sehr sorgfältig zu differenzieren, sprach der Weise und drehte den Mantel aus dem Wind.”)

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