Beauty Parlour and Spa

Noch länger mit dem Haarschnitt zu warten, wäre gefährlich gewesen, also mußte heute der Frisörbesuch sein. Diese Seite des Lebens wollte ich auch mal kennenlernen in Indien.

Meine Binal und ihre Verwandte suchten einen passenden Laden aus. Am selben Nachmittag gingen wir hin, ohne Termin und ohne Wartezeit!

Der Laden bietet eine Mischung aus Haarpflege, Wellness-Massage und normalem Frisieren. Ich kam zuerst an die Reihe.

Meine Wünsche und Vorstellungen wurden vorher genau erfragt, das musste allerdings auf Gujarati erfolgen. Das ganze Ausmaß der Leistung war mir da noch nicht klar. Ich wurde frisiert, eine neue Bartkontur angelegt und anschließend eine Tiefenrasur mit dem Messer gemacht. Dann gab es eine Kopfmassage mit einem Spezialgerät, das die Finger des Masseurs „rüttelt“ – war sehr angenehm und wurde noch auf dem Rücken weitergeführt.

Danach noch eine Gesichtsmassage und Puderung – und after shave.

Da war schon alles vorbei

Jetzt ist Binal an der Reihe. Auch sie hatte so einige Wünsche, bei denen der Friseur andocken konnte. Er schabte zuerst einige Proben von der Haaroberfläche ab. Die Qualität sei „sehr, sehr schlecht“. Dann wollte er eine vollständige „Proteinbehandlung“ verkaufen, für zwei Jahre seidiges Haar – und 7000 Rp. Ich sagte nein.

Aber ein etwas weniger teures treatment bekommt sie trotzdem, Haarpflege und Massage.

Bei der Arbeit

Ich sitze direkt hinter dem Arbeitsplatz, neben Dharani, mit der ich bisschen geredet habe. Über mir sendet die AC permanent Kälte aus mich – eine schöne Einstimmung auf den Herbst in Deutschland.

Ehrlich gesagt fürchte ich ein wenig die Rechnung. Ein Aufschlag von 200 % für foreigner ist normal. 🙂

Was ich beim Straßenverkehr verstanden habe

Hier einige Punkte, die ich beobachte und verstanden habe:

In der Großstadt mischen sich 5 – 6 Fahrzeugkategorien auf der Straße: Händler, die einen vierrädrigen Karren schieben (mitten im Verkehr), Fußgänger, die die Straße überqueren wollen, Scooter & Motorbikes, Autorikshas (dreirädrige Motortaxis), PKWs und SUVs, Kleinlaster.

In den Stoßzeiten sind die Straßenflächen vollkommen belegt mit Fahrzeugen. Es gibt nur eine Regel: Linksverkehr. Fast immer sind aber überhaupt keine Fahrstreifen erkennbar, das läuft absolut flexibel.

Zweiräder nutzen zum Vorankommen und Überholen jede Lücke. Auch die Rikshas stoßen in jeden Zwischenraum. Hierbei gehen die Abstände auch schnell auf nahezu null. Ist egal. Fahren bedeutet: Gas, Kupplung, Bremse, Gas, Bremse, Kupplung. An Kreuzungen läuft der Verkehrsstrom so lange in einer Richtung, bis die von der Querrichtung hineindrückenden Fahrzeuge es geschafft haben, die andere Richtung zum Erliegen zu bringen. Dann drückt diese Richtung halt gegen den Strom.

Es ist also grundsätzlich zwingend nötig, zu drängeln.

Aber trotzdem haben wir noch keinen Unfall gesehen. Doch: eine Dame im Damensitz (Beine auf einer Seite der Sitzbank) ist vom Moped gekippt.(Sehr viele Paare fahren auf Zweirädern, besonders die überaus verbreiteten „Honda Activa“, und die Dame sitzt im Sari hinten quer drauf).

Es läuft deshalb so sicher, weil jeder sein Umfeld genau im Blick hat, stets und immer bremsbereit ist und weil die Geschwindigkeit so 20 – 35 km/h erreicht, oder halt fast null an den Kreuzungen. Wenn da plötzlich jemand vor einem auftaucht, hat man mit 1 m Bremsweg angehalten.

In der Regel fühlen die Fahrer in jeder Situation, wer jetzt zuerst „dran“  ist – sie selbst oder der Konkurrent. Und das geht recht einfach.

Beim Überqueren der Straße gibt es auch kein Problem. Man drängelt sich auf die Straße, wartet und guckt, bis eine Lücke da ist, um 1, 2 m vorzugehen. Die Zweiräder können eh um einen herumkurven.

Wer den Fußgänger sieht, der hupt. Aber er lässt ihn auch weitergehen. Und schon ist man rüber. Auch im Dunkeln.

Das Hupen, das so außerordentlich willkürlich erscheint, ist es überhaupt nicht. Wer von hinten zum Überholen ansetzt, der hupt. Wer einen Fußgänger in der Nähe hat, hupt. Wer sich von der Querstraße oder vom Straßenrand her einordnen will, der hupt.

Was Hupen niemals ist: ein Zeichen von Aggression. Die Leute haben auf der Straße keine Aggressionen.

Scooter
Motor-Riksha (3 Passagiere erlaubt, bis 5 werden mitgenommen)
Straßenrand (fast immer unbefestigt)

Na, nun könnt ihr auch in Ahmedabad herumcruisen.

Es gibt aber im Umfeld der Großstadt auch gute dreispurige Verbindungsstraßen, wo kaum Zweiräder fahren und der Verkehr „geregelt“ abläuft, z.B. auch bezüglich Ampeln.

Schneller Blick auf Kalupur Railway Station

Das ist die zentrale Railway Station von Ahmedabad. Dort tummeln sich Massen von Menschen.

Es fahren sehr, sehr lange Reisezüge mit Holzklasse (unklimatisiert und 3 Etagen mit klappbaren Liegen) und mindestens 4 anderen Komfortkategorien, zB. Stärke der Klimatisierung. Im Zug riecht es sehr deutlich nach Menschen.

Ach so, gerade gemerkt, das Video zeigt nur einen Rundblick im Vorfeld des Bahnhofs. Hmmm.

Motivation zero

Letzte Woche Donnerstag bin ich erst einmal krank geworden. Wie waren am diesem Tag umgesiedelt in die Hauptstadt von Gujarat, Gandhinagar. Wir hatten eine luxuriöse Wohnung, die einem jungen Paar aus der Verwandtschaft gehört.

Insofern gab es gute Toiletten/Duschen, klimatisierte Schlafzimmer, leicht verfügbare Getränke und Mahlzeiten, unkomplizierte Gastgeber. Aber das nützte mir alles nichts, mir ging es schlecht, ich hatte Durchfall und Gliederschmerzen.

Da hatte ich genug zu tun, mich um noch selbst zu kümmern und hatte keine Lust, etwas zu schreiben oder zu posten.

Heute, am Montag, bin ich aber schon lange wieder auf den Beinen. Wir haben trotzdem vieles erlebt, und ich habe mir einige Gedanken gemacht.

Blick vom Balkon ins Wohnzimmer
Blick vom Balkon auf das Nachbargrundstück (Baustelle 10-Geschosser)

Nahaufnahmen des Stadtlebens

Heute ist es mir gelungen, mal in Ruhe und auch fast alleine durch die Umgebung zu laufen. Beim langsamen Schlendern kann ich dann das tägliche Leben der Leute wirklich einmal besser beobachten und nachvollziehen.

Viele Menschen beobachten uns ebenfalls, manche nehmen keine Notiz, manche verdrehen aber auch den Hals, um uns nachzustarren. Und manche fragen neugierig, wo wir herkommen. Die Vermutung ist per se „USA“.

Es ist drückend und schwül bei 34° aber es geht dir auszuhalten. Das Schweißtuch ist in der Tasche bereitzuhalten.

Hier ist die kleine Tour für euch.

Nagelneuer und top gepflegter Tempel für zwei Göttinnen

Auf dem Schild über dem Eingang steht in Hindi: „माँ कैला देवी मंदिर“ (Mā̃ Kailā Devī Mandir). Das bedeutet „Tempel der Mutter Kaila Devi“.
Kaila Devi ist eine hinduistische Göttin, die als Erscheinungsform der Göttin Durga beziehungsweise als Schutzgöttin verehrt wird. Die beiden Figuren im Inneren stellen vermutlich die verehrten Göttinnen dar.

Matthias quatscht mit Vorliebe Leute an und freut sich über deren Interesse
Die nächstliegende Grundschule und Mittelschule AIS. Schulen werben auf Straßendisplays um Schüler
Jede Abnahmestelle hat außen liegende Zähler, in diesem Falle sind es aber Zähler für den Solarstrom

Ich habe erfahren, daß die Stadtverwaltung den Aufbau einer Solaranlage auf dem Dach mit 50% der Investitionssumme fördert. Der Strom dient dem Eigenverbrauch, aber Überschuss kann ins Netz eingespeist werden. Das wäre ökonomisch gesehen ok.

Arztpraxis von drei Ärzten. Solche Praxen gibt es in großer Zahl entlang der Straßen.

Entsprechend gibt es kaum oder keine Wartezeiten, und die Kosten sind ganz gering für allgemeinärztliche Sachen. Hospitals aller Fachgebiete haben wir entlang der Metro (Hochbahn) recht viele gesehen – alle haben ihr Spezialgebiet: von Kardio über Chirurgie, Nieren etc bis sehr viel Schönheitschirurgie und IVF Kliniken.

Baustelle für ein normales Mittelklasse Stadthaus.
Straßenkreuzung – überall sind Karrees, die als „society“ bezeichnet werden, mit kleinen Nebenstraßen unterteilt und mit Toren abgesichert
Blick in einen Schulhof mit Nachmittagsbetreuung (Spiel = Plumpsack)
Tempelreinigung (die gleichen Göttinnen wie im ersten Tempel)
Seitenfront des Tempels, eine große Halle
Eine „neighbourhood“ oder „society“
Blick aus unserem Treppenhaus nach unten zur Straßenmauer – es wird viel Futter für Vögel oder Hunde ausgelegt

Ich denke, man kann hier vieles sehen, was das alltägliche Leben so ausmacht. Zum Schluss haben wir drei zehjährife Schüler getroffen. Die konnten prima Englisch und haben sich sehr wohlerzogen mit uns unterhalten. Einer von ihnen hat direkt den Preis einer Kugel Eis in die € Währung umgerechnet. Sehr gebildet!

Test der Metrostrecke

Blick von oben auf das Stadtpanorama

Heute sind wir per Bus zur Metrostation gefahren, um eine Besichtigung von der Hochbahn aus zu machen.

Sowohl Bus als auch Bahn sind sehr kühl klimatisiert. Beim Aussteigen kommt einem dann aber die warme Wand wieder entgegen. Die Sonnenstrahlung ist sehr gering, weil alles von der Dunstglocke abgeblockt wird.

Die Metro ist eine Zone der Reinheit, Sicherheit, der Uniformen und der gehobenen Bürgerschaft. Man blickt von oben auf die Stadt und hat damit viel bessere Einblicke als von unten.

Es gibt derzeit nur die erste Linie, die zweite ist aber im Bau und soll in zwei Jahren fertig sein. Infrastruktur wird gebaut was das Zeug hält.

Abfahrtsstation Bus, eine erhöhte Plattform in Straßenmitte
Blick auf Busstation
Wieder mal eine Mall

Einkaufsmeilen gibt es jede Menge, in niedriger Qualität, mittlerer Qualität (wie diese, das ist wie Deutschland) – und dann noch zwei Luxuslevel, die es in Deutschland nicht gibt.

Zu viele Erlebnisse, zu wenig Zeit

Wie sind jetzt den dritten Tag hier und haben eine sehr sehr hohe „Erlebnisdichte“. Das bedeutet, ich komme nicht nach mit Fotografieren, schon schwierig mit WhatsApp Status, und mit ordentlichen Blogbeiträgen sieht es schlecht aus.

Gestern Abend an 22 Uhr war auf der Straße vor dem Wohnkomplex („society“) eine Garba Tanzveranstaltung. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer extremen Musik – und Basslautstärke. Dabei wiederholt sich ein Rhythmus – Pattern (das keinem geraden Metrum folgt) unendlich, und die Bumm-Schläge sind markerschütternd.

Binal ist aber grippekrank geworden und lag fiebernd im Bett. Da war der Lautstärkepegel nicht so toll. Die beiden Frauen im Haus haben von links und rechts kühlende Lappen aufgelegt und sich Sorgen gemacht, daß „wir“ die Maßnahmen als ungenügend sehen könnten. Als entscheidende Maßnahme gilt eine „injection“ aber bisher ist Binal mit einem Pillencocktail davongekommen.

Matthias und Kirit
Besuch des 500 Jahre alten Stufenbrunnens

Ich sehe gerade, ich habe gar keine guten Fotos zur Illustration. Aber hier ist noch eines.

Adalaj ni Vav, Ahmedabad

Unser Empfang bei Mummy

Der sehnliche Wunsch von Binal war es 11 Jahre lang, ihre Pflegemutter, von der sie im Alter von 21 Tagen aufgenommen wurde, wiederzusehen. Aber da erschien viele Jahre lang aussichtslos, ohne Pass, ohne deutschen Aufenthaltstitel, ohne Geld.

Doch alle diese Dinge hat Binal sich mit Ausdauer und gegen immer wieder andere Widerstände erkämpft. Und sie war im Vorfeld emotional stark durchgeschüttelt – hatte sie doch Ängste, es könnte etwas passieren oder ihre Ein – bzw. Ausreise verhindert werden. Nach vielen Jahren der permanenten Unsicherheit und dem Abhängigsein eine erwartbare Entwicklung.

Aber sie hat dann nach der Hochzeit in Windeseile die Reise geplant, Flugtickets gebucht und Matthias und mich auf unsere Anforderungen für die Einreise hingewiesen.

Die anderen Familienmitglieder wussten bescheid, daß Binal am Samstag kommt, aber Mummy nicht. Es sollte eine Überraschung für sie werden.

Hier könnt ihr die Begrüßung sehen.

Ankunft in Delhi

Nachdem wir uns in den wirklich engen Dreamliner von Boeing hineingequetscht hatten und endlich gestartet waren, nahmen wir noch das Essen zu uns und dann war es Zeit, zu schlafen. Aber ach, dieser Enge. Aber ach, die ganzen Lebenäusserungen der vielen Menschen – etwas hinter uns hatte ein Bartbewachsener Typ ganz ganz harte Attacken von knallenden Nießausbrüchen. Immer wieder.

Ca. 5 Ärzte aus dem Passagier-Aufkommen wurden zu einem Mädchen gerufen, dem es arg übel war. Alles zeigten großen Einsatz, kamen zu Konsilien zusammen, aber tun konnte man auch nichts.

Wir schliefen dann natürlich trotzdem alle (in sehr verrenkten Positionen) – aber ach, war das grauslich. Morgens um vier zum Sonnenaufgang wachten wir wieder auf.

Der ganze Vormittag war noch im Flugzeug zu verbringen. Dann kam Delhi in Sicht, und für Binal wurde es emotional. Hier ein Foto, wie sie von oben auf das Land blickt:

Kurz vor Delhi

Es war draußen ganz ordentlich warm, etwa wie im Hochsommer in Deutschland.

Wir haben unsere immigration Formalitäten gemacht, wozu auch neuerdings die Abnahme von Fingerabdrücken und biometrischen Fotos gehört, und dieses dann mit viel Warten überstanden.

Der Flughafen ist schön und flächenmäßig einfach riesig.

Delhi Airport

Mit unserem Gepäck mussten wir nun für den Inlandsflug Delhi – Ahmedabad einchecken, was schnell und problemlos ging (obwohl Matthias zwei Feuerzeuge im Rucksack nachgewiesen wurden, von denen er nichts wusste).

Im inländischen Teil des Airports ging es schon deutlich indischer zu, eine Unmenge von Verbindungen wurden mit kleinen Airbus A 320 bedient. Wir fuhren mit dem Bus aufs Vorfeld zum Einstieg.

Hier war ich schon extrem erschöpft, aber es kamen ja noch weitere Reisestunden dazu.

Noch ein paar Bilder aus dem Flughafen

Wir hatten viel Zeit und haben es uns gemütlich gemacht. Binal und ich hatten bequeme Kleidung mit und haben die auf dem Klo angezogen.

Der check-in war nicht gerade ein Erfolg, unsere 5 Gepäckstücke müssen sich nicht automatisch einliefern, sondern der Clerk musste es manuell machen. Aber wir haben uns nett unterhalten mit einem alten Pakistaner unterhalten, der dort seit 8 Jahren arbeitet.

Die Menge der verschiedensten Leute, Charaktere, Individuen ist ja auch immer wieder unterhaltsam zu beobachten. Leider bin ich dann konditionell schon sehr eingebrochen, d.h. ohne Mittagsschlaf bin ich ab 18 Uhr zunehmend echt erschöpft. Und jetzt fehlt mir das berühmte Nackenkissen für den Flugschlaf. How bad. I forgot to bring one beforehand and refused to pay 32 Euro for it at the airport.

Die Ausreisekontrolle dauerte für uns Deutsche nur 2 Minuten, die Ausländer mussten ewig warten. Matthias nutzte die Zeit für ein kurzes Training.

Jetzt, um 20.15 Uhr, sitzen wir am Gate in der Wartezone, die Crew (in Saris) ist bereits an Bord gegangen.

Sitzplätze im Flugzeug haben wir uns vorher online reserviert, das bringt uns gute Plätze nebeneinander. Ehrlich gesagt wird mir das wenig nützen, ich kann vor Erschöpfung einfach nicht mehr krauchen.

Hier die letzten Bilder von deutschem Boden.

Der Herr in der weißen Jogginghose…oh mei.