Aus deutscher Sicht wird dieser Bericht die ein oder andere Träne rollen lassen.
Mit meinem nahezu chronischen Misstrauen ins Arztwesen und Gesundheitssystem komme ich meistens auf keinen grünen Zweig in Deutschland. Ich vermeide lieber jeglichen Kontakt. 😉
Die Tatsache, daß hier in Indien so gut wie alle Leistungen quasi sofort erhältlich sind, hat uns aber auf den Gedanken gebracht, hier einmal einen Herz – Checkup zu machen.


Termin machen:
Morgens 9 Uhr beim ambulanten Arzt angerufen (7 min mit Scooter entfernt). Terminzusage zuerst für 13.30 Uhr, dann sogar vorgezogen auf 11.30 Uhr desselben Tages. Und da sind wir dann los ins Wartezimmer, 3 MTA waren hoch erfreut, uns zu sehen, 10 Personen haben gewartet.
Konsultation:
Vorab hat die MTA ein EKG gemacht, meine persönlichen Daten, Medikamente sowie Gewicht (89 kg) aufgenommen, dann ging es zum Arzt.
Ich hatte extra mit Google translate meine Anliegen in 3 Sprachen notiert. Ehe der Arzt mich falsch versteht…😇

Der Arzt hat die Anamnese gemacht, ich musste mich hinlegen und er nahm den Blutdruck ab, dann hörte er meine Herztöne ab, zählte den Puls. Wollte wissen, in ich Cholesterin usw. schon testen lassen habe.
Dann gab er bekannt, daß die „richtigen“ Untersuchungen (ECHO und Belastungs-EKG) nur im nächsten größeren KH gemacht würden. Wir sollten doch Glück dorthin gehen, dann könnte noch am Folgetag die gesamte Auswertung inkl. Therapiemöglichkeiten durchgeführt werden. (Das wäre der letzte Tag vor Abreise).
Ablauf der Krankenhaus-Untersuchung
Wie haben uns nach kurzer Mittagspause (wir waren ja nur 30 Minuten beim Arzt!!) entschlossen, gleich ins Hospital zu fahren. Mit der Honda Activa eine Sache von 10 Minuten!
Das ANANTA Hospital in Ahmedabad ist von der ersten Minute an überzeugend. Sicherheitspersonal und Guides zeigen den Weg – im Foyer alles klimatisiert (überall ist kühl), und noch einmal ein Counter mit Hilfsangebot.
Es gibt Fachabteilungen für alle Krankheiten. Es ist ruhig, modern und mindestens so gut wie der deutsche Standard. Überall genug Personal.
Wie haben uns in der Kardiologie angemeldet und die Kosten direkt bezahlt.

Dann wurde mir Blut genommen, zwecks Blutbild, weiches der überweisende Arzt gerne sehen wollte.
Nach kurzer Wartezeit wurde ich bereits in die Funktionsabteilung gerufen. Kurzes Vorgespräch, und schon lag ich auf der Liege neben dem Sonografiegerät, und die Echokardiografie wurde durchgeführt. (Davon gab es später einen Ausdruck zur Auswertung).
Nun sollte ich mich umziehen, und man empfahl mir, das Brust – und Bauchfell entfernen zu lassen. Ich stimme zu, und ein Helfer rasierte mich vorne glatt.
(Binal unterhielt auch die ganze Zeit mit der MTA, die das Procedere durchführte. Sie war nett und kompetent, und ihr Verdienst sind 15.000 Rp./155€ im Monat).
Nun kam das Belastungs-EKG, ich bekam die Elektroden geklebt, wurde verkabelt und aufs Laufband gebeten. Es waren neun Minuten bei steigender Belastung zu gehen bzw. dann zu laufen. Das brachte mich ins Schwitzen, aber es war nicht allzu schwer. Ich schaffte aber nur 8 Minuten, bevor ich nicht mehr konnte oder wollte.
Der gesamte Ausdruck des EKG wurde der Akte beigefügt. Kurze Zeit später heftete ein Arzt seine Auswertung dazu, und wir bekamen einen kleinen Drink. Zurück in der Blutwerte-Abteilung, bat man uns noch 20 Minuten zu warten. Dann wäre das Blutbild fertig.
Und das war es auch. Als wir wieder reingingen, druckte der Bedienstete gerade das Papier aus.
Fertig. Das war es. Von der Anmeldung bis zum Abgang vergingen 90 Minuten höchstens. Eine begeisternde Performance in äußerst zivilisierter Umgebung.
Tja. Und der Preis dafür?
8000 Rp., also ca. 78 Euro. (Den Preis für Hin – und Rückflug habe ich mal weggelassen).
Morgen gehen wir nochmal zum ambulanten Arzt, der zieht dann ein Fazit. Aber ich kenne es schon vorab: herzmäßig ist alles in Ordnung. Na wunderbar. Habe ich mir den Aufriß in Deutschland komplett erspart.

































