Was ich beim Straßenverkehr verstanden habe

Hier einige Punkte, die ich beobachte und verstanden habe:

In der Großstadt mischen sich 5 – 6 Fahrzeugkategorien auf der Straße: Händler, die einen vierrädrigen Karren schieben (mitten im Verkehr), Fußgänger, die die Straße überqueren wollen, Scooter & Motorbikes, Autorikshas (dreirädrige Motortaxis), PKWs und SUVs, Kleinlaster.

In den Stoßzeiten sind die Straßenflächen vollkommen belegt mit Fahrzeugen. Es gibt nur eine Regel: Linksverkehr. Fast immer sind aber überhaupt keine Fahrstreifen erkennbar, das läuft absolut flexibel.

Zweiräder nutzen zum Vorankommen und Überholen jede Lücke. Auch die Rikshas stoßen in jeden Zwischenraum. Hierbei gehen die Abstände auch schnell auf nahezu null. Ist egal. Fahren bedeutet: Gas, Kupplung, Bremse, Gas, Bremse, Kupplung. An Kreuzungen läuft der Verkehrsstrom so lange in einer Richtung, bis die von der Querrichtung hineindrückenden Fahrzeuge es geschafft haben, die andere Richtung zum Erliegen zu bringen. Dann drückt diese Richtung halt gegen den Strom.

Es ist also grundsätzlich zwingend nötig, zu drängeln.

Aber trotzdem haben wir noch keinen Unfall gesehen. Doch: eine Dame im Damensitz (Beine auf einer Seite der Sitzbank) ist vom Moped gekippt.(Sehr viele Paare fahren auf Zweirädern, besonders die überaus verbreiteten „Honda Activa“, und die Dame sitzt im Sari hinten quer drauf).

Es läuft deshalb so sicher, weil jeder sein Umfeld genau im Blick hat, stets und immer bremsbereit ist und weil die Geschwindigkeit so 20 – 35 km/h erreicht, oder halt fast null an den Kreuzungen. Wenn da plötzlich jemand vor einem auftaucht, hat man mit 1 m Bremsweg angehalten.

In der Regel fühlen die Fahrer in jeder Situation, wer jetzt zuerst „dran“  ist – sie selbst oder der Konkurrent. Und das geht recht einfach.

Beim Überqueren der Straße gibt es auch kein Problem. Man drängelt sich auf die Straße, wartet und guckt, bis eine Lücke da ist, um 1, 2 m vorzugehen. Die Zweiräder können eh um einen herumkurven.

Wer den Fußgänger sieht, der hupt. Aber er lässt ihn auch weitergehen. Und schon ist man rüber. Auch im Dunkeln.

Das Hupen, das so außerordentlich willkürlich erscheint, ist es überhaupt nicht. Wer von hinten zum Überholen ansetzt, der hupt. Wer einen Fußgänger in der Nähe hat, hupt. Wer sich von der Querstraße oder vom Straßenrand her einordnen will, der hupt.

Was Hupen niemals ist: ein Zeichen von Aggression. Die Leute haben auf der Straße keine Aggressionen.

Scooter
Motor-Riksha (3 Passagiere erlaubt, bis 5 werden mitgenommen)
Straßenrand (fast immer unbefestigt)

Na, nun könnt ihr auch in Ahmedabad herumcruisen.

Es gibt aber im Umfeld der Großstadt auch gute dreispurige Verbindungsstraßen, wo kaum Zweiräder fahren und der Verkehr „geregelt“ abläuft, z.B. auch bezüglich Ampeln.

Schneller Blick auf Kalupur Railway Station

Das ist die zentrale Railway Station von Ahmedabad. Dort tummeln sich Massen von Menschen.

Es fahren sehr, sehr lange Reisezüge mit Holzklasse (unklimatisiert und 3 Etagen mit klappbaren Liegen) und mindestens 4 anderen Komfortkategorien, zB. Stärke der Klimatisierung. Im Zug riecht es sehr deutlich nach Menschen.

Ach so, gerade gemerkt, das Video zeigt nur einen Rundblick im Vorfeld des Bahnhofs. Hmmm.