Erweiterter Suizid

Ich habe mir einige Gedanken zum momentan die Medien beherrschenden Fall des abgestürzten Fliegers gemacht.

Am Anfang steht folgender Fakt: es ist DIE ERSTE Maschine, die die Lufthansa verliert. Das muß man sich einmal vorstellen!! Ich habe bereits als Junge ein starkes Interesse an der Fliegerei gehabt, welches sich vom Opa über den Vater bis zu mir “durchgemendelt” hat. Wir besaßen Bücher aus den Zeiten vor dem 3. Reich, eines davon nannte sich “Wegbereiter deutscher Luftgeltung”. Da gibt es Namen wie Hellmuth und Wolf Hirth, Willy Messerschmitt, Claude und Claudius Dornier, Hugo Junkers, Ferdinand Graf von Zeppelin, Hanna Reitsch, Elly Beinhorn und tausende andere.

Ich würde es so formulieren, daß die Deutschen das Fliegen MIT erfunden haben. Den Gleitflug hat Otto Lilienthal in Theorie und Praxis eingeführt. Wir hatten einige Meilensteine des Fliegens zu verzeichnen, das Luftschiff zum Beispiel, aber auch das erste freitragende Ganzmetall-Flugzeug der Welt. (Bis dahin wurden aus Holz und Leinwand gebaute Drahtverhaue in die Luft geschickt!)

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Die Lufthansa gilt als eine der sichersten und besten Airlines der Welt, zumindest möchte sie dieses Image erhalten. Und da setzt man an der Technik an, aber auch beim Personal. Piloten werden NUR die besten Leute, die absolut rundherum kerngesund sein müssen. Es gibt keine Ausnahmen, es darf einfach keine gesundheitlichen Probleme geben.

Schon gar keine PSYCHISCHEN Probleme.

Aber wie wir wissen, gibt es eben doch viele Menschen mit psychischen Problemen. Und ganz besonders viele Menschen gibt es, die Depressionen haben. Das Tückische an denen ist, daß man sehr oft über Jahre hinweg gar nicht weiß oder es nicht realisiert, daß man psychisch krank ist!

Wenn man es dann weiß, beim Arzt war (ein heftiger Einschnitt ins eigene Image!) und vielleicht Tabletten [Psychopharmaka] nimmt, dann lebt man äußerlich trotzdem weiter, als wäre nichts gewesen. Und man investiert eine gewaltige Menge an Kraft und Energie, um niemandem zeigen zu müssen, daß man im Inneren jeden Tag leidet wie ein Hund!!

Hier ist direkt auf den Torwart Robert Enke zu verweisen, der in der Lage war, mit SCHWEREN Depressionen(!!) immer noch lange auf Bundesliganiveau Sport zu treiben. Da hat es einen Mann innerlich schon fast zerfressen (man erkennt es vor allem an den Augen, wenn man Experte ist), da läuft und macht und tut er immer noch, als wenn er gesund wäre. Dabei ist er schon am Planen für seinen Suizid!!

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[UPDATE 31.03.]

Der Unglückspilot in der Germanwings-Maschine war TATSÄCHLICH seit Langem (!) in psychiatrischer Behandlung. UND er war suizidgefährdet. Daß er dennoch auf Airbus-Maschinen fliegen durfte – ein bitterer Faux-pas. Und den Korken ganz rausgeknallt hat es ihm, als ihn seine Freundin verließ (soll in frz. Zeitungen gestanden haben…aber das wird totgeschwiegen.
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Fakt ist also, man kann trotz Depressionen weiterhin funktionieren und kann fast alle Menschen über Jahre(!) hinweg täuschen. Und man WILL sie täuschen, denn sich zu Depressionenn offen zu bekennen, ist höllisch schwer. Das ist quasi der schwerste, aber auch wichtigste Schritt, um behandelt werden zu können und um auch geheilt zu werden.

Um jetzt auf mich zu sprechen zu kommen: ich hatte in einem Jahr mal über 7 Monate(!) Depressionen, die nicht behandelt wurden, habe es aber dennoch geschafft, mich zu bewerben, eingestellt zu werden und vier Monate den Job zu machen. Ich war da SO depressiv, daß ich nicht mal mehr ZÄHLEN konnte! (Die Gedanken im Hirn kreisen derartig intensiv um das Problem der Depression, daß keinerlei Slot für andere Inhalte mehr frei ist…eine Art alles überwuchernder Virus, sozusagen).

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Schlußfolgerung daraus ist: wir alle sind von Depressiven umgeben, und wir merken es nicht. Sie können sich phantastisch verstellen und mit großer Disziplin ihre Fassade wahren. Dabei geht irgendwann die letzte seelische Reserve drauf, und dann bringen sie sich um. Das kann Jahre dauern.

Wer ein wenig Intuition und Beobachtungsgabe hat, ist allerdings meiner Ansicht nach in der Lage, einen psychisch Angeschlagenen oder eben einen Depressiven zu “entlarven”. Und dann stellt sich nur noch die Frage, ob man den MUT hat, etwas zu tun!!

Im Anschluß möchte ich eine kleine Umfrage einfügen, die sich damit befaßt, ob man selbst oder ob man im Umfeld schon mit Depressionen zu tun hatte. Alles natürlich anonym.

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